General Akechi Mitsuhide tötete im Morgengrauen des 21. Juni seinen Herrn Oda Nobunaga, welcher im Honnô-ji-Tempel in Kyôto weilte. Anschließend entsandte der Verräter einen Boten von Kyôto nach Westen mit einem Bündnisangebot an den Môri-Klan. Akechi schickt sich an, Shogun zu werden, was er dann 13 Tage bis zu seiner Niederlage bei Yamazaki und seinem Tod am 2. Juli auch war. In der Nacht hatte sich der Bote jedoch verirrt und wurde im Lager von Nobunagas fähigstem General Toyotomi Hideyoshi aufgegriffen, wo ihm durch Folter die Wahrheit über Nobunagas Tod entrissen wurde. Woraufhin Hideyoshi die Belagerung der Burg Takkamatsu-jô beendete und in einem legendären Gewaltmarsch nach Osten preschte, um als erster dem Verräter Akechi Mitsuhide entgegenzutreten. Bereits am 2. Juli vernichtete er dessen Heer bei Yamazaki und läutete dadurch den Machtwechsel zu sich selbst hin ein.
Der Bote galoppiert mit Höchstgeschwindigkeit auf der erhöhten Straße in einer Landschaft aus Reisfeldern. Die Straße liegt circa einen Meter höher als die Parzellen. Auf dem obigen Bild ist eine solche Straße dargestellt. Am Wegesrand sind einzelne Büsche und ein Grab. Verschiedene Fußgänger sind unterwegs und sehen verwundert auf den Eilkurier, dem Mittelpunkt der Szene. Einige sehen ihm hinterher, andere entgegen und weitere lassen ihn passieren, mehr oder weniger freiwillig. Vor dem Reiter springt ein verschlafener Hund zur Seite. Hinter dem Reiter flucht ein Frischwasserträger, weil er fast überritten worden wäre und nun wieder sein Gleichgewicht finden muss. Diese Kuriere waren echt rücksichtslos. Es gibt halt nicht nur in unserer Zeit Verkehrsrowdys.
Einige Erläuterungen zu den einzelnen Figuren
WEKO 16 Der Eilkurier (tsukai-ban): Der Bote ist voll gerüstet in eng anliegender Rüstung. Kein Helm, aber ein üppiges Stirntuch, arrangiert für unter dem Helm. Die langen Haare wehen im Wind. In der linken Hand die Zügel, rechts eine Reitgerte. Auf dem Rücken ein weißer, wehender Horo-Sack mit Zierknoten befestigt und ein blaues Sashimono (Wappenstange) mit einem schwarzen Mon (Wappen). Das Sashimono auf dünnem, leichtem Bambusrahmen biegt sich im Wind. Die Seidentasseln des Pferdes, kein Schimmel, sind Blau. Der Reiter ist mit einem Tachi bewaffnet. Das ist ein langes japanisches Schwert mit säbelähnlicher Klinge. Es ist stärker gebogen und für gewöhnlich etwas länger als das bekanntere Katana. WEKO 25 Der Geistliche (bozu) trägt das typische Priestergewand, wadenlang mit langen Ärmeln, aus dünnem schwarzen Stoff, einen weißen Unterkimono und mit einem buddhistischen Rosenkranz aus dicken Holzkugeln. Er nutzt einen wilden Stab, um einen dicken Sack mit seinen Habseligkeiten zu tragen. Sein Gewand ist ein wenig schlampiger in den Gürtel gesteckt, sodass man den Wanst sehen kann. WEKO 26 Der Pilger (nenro) hält einen Pilgerstab in der Hand. Um den Hals ein Band (Stola) mit religiöser Devise, eine Tasche vor Bauch und Hüfte. Auf dem Rücken trägt er einen Tragaltar. Pilger stampfen beim Wandern mit dem Stab auf und es gibt ein ganz unverwechselbares Geräusch, das die Leute aus den Häusern zum Spenden locken soll. WEKO 24 Der Apotheker mit Medizinkiste, man beachte das Futteral für Pfeife und Tabaksbeutel am Gürtel. WEKO 29 Ein Gorinto-Grabstein mit Blumenschmuck und eine betende Frau. Vermutlich ein Verkehrsopfer. Man kann heute noch auf dem Land Familiengräber an Wegen auf Feldern sehen. Offensichtlich wurde nicht jedermann auf dem nächsten Tempelfriedhof bestattet. Neben ihr liegt ihr Gepäck. Ein in ein Tragetuch eingeschlagenes Kästchen und ein abgelegter Strohhut darüber. WEKO 30 Die jüngere Schwester der Betenden. Sie steht hinter ihrer Schwester und wartet, bis sie an die Reihe kommt. Offene Haare, relativ tief am Rücken mit einer hübschen Schleife gebundenen, sind typisch für unverheiratete Mädchen. Als Accessoires eine Schürze und einen Beutel in der Hand, sozusagen die Handtasche zum Kimono. Der Apotheker, das betende Mädchen und ihre jüngere Schwester sind etwas feiner als die Bauern gekleidet. Der Apotheker vermutlich in Grün. In der japanischen Kultur wird Grün mit Leben assoziiert. Auf Hanf wirkt Grün mehr wie ein gedecktes Oliv. Das betende Mädchen und ihre Schwester zum Beispiel in altrosa oder sehr blassem Lila, dazu ein gelb-beiger Obi (Gürtel). Rest nach Geschmack. WEKO 27 Ein stellungsloser Samurai, ein Ronin mit flacher Eboshi-Mütze, typisch für die Sengoku-Zeit. Die Lanzenspitze ist eingepackt, ansonsten wäre der Mann ja ein laufendes Sicherheitsrisiko, und verrosten würde ihm sein Pikser auch flugs. WEKO 17 Ein fluchender Frischwasserträger zur Versorgung der Feldarbeiter, vom Reiter aus dem Gleichgewicht gebracht. Auf seiner Tasche ist eine kleine runde Tabaksdose zu sehen. WEKO 18 Ein Holzträger. Mein lieber Scholli, der Mann hat echt schwer zu tragen. WEKO 19 Der Gemüsebauer trägt Karusan-Hosen, ein reichlich verrückter Typ, der von den Kniehosen der Portugiesen inspiriert wurde. WEKO 20 Eine Bauersfrau WEKO 21 Ein Bursche WEKO 22 und 23 Bauern-Mädchen Für die Bauern und den Ronin gilt als Faustregel, die Farben immer gedeckter und dunkler, je älter. Kinder durchaus in hellen Farben, aber nicht zu grell. Gedeckte Brauntöne, Rotbraun, Grau, Blau, Blaugrau, Ocker - waren die Trendfarben der Saison. Einfache Muster, vor allem Streifen. Sofern ornamentale Muster, dann waren sie relativ groß, weil man sie auf Hanf, Baumwolle war noch nicht sehr verbreitet außerhalb von Kyushu im 16. Jahrhundert, nur schlecht kleinformatig anbringen konnte. Hanftextilien sind zu glatt und zu grob. Nebenbei bemerkt, in der Muromachi-Zeit bis zum Beginn der Edo-Zeit war es geradezu schändlich für Erwachsene, das Haupt öffentlich unbedeckt zu zeigen. Barhäuptig zu sein, war geradezu ein Abzeichen des Kinderstatus. Hosen kamen erst in der Edo-Periode auf. Zuvor trug man unten Beinlinge. WEKO 28 Ein Akita Inu. Der Akita Inu ist eine alte japanische Nationalrasse. Akita steht für eine Provinz in Japan, der Zusatz "Inu" bedeutet übersetzt schlicht "Hund". Farbe: Rot, Sesam, gestromt, Weiß, je mit weißen Abzeichen an Kopf, Brust, Beinen, unter dem Bauch und unter der Rute.