Warum scheiterte die Operation Barbarossa? Seit mehr als acht Jahrzehnten geben Historiker eine vorherrschende Antwort: Die Invasion der Sowjetunion durch Deutschland war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Große Entfernungen, brutales Wetter, schwache Logistik und die überwältigende industrielle Macht der Roten Armee sorgten dafür, dass die Wehrmacht nie eine realistische Chance auf Erfolg hatte. Aber was, wenn dieses bekannte Urteil zu bequem - und zu vereinfachend - ist? In "Why Barbarossa Failed" bietet Timothy Manion eine mutige, gründlich recherchierte Neubetrachtung der folgenreichsten Kampagne des Zweiten Weltkriegs. Manion geht weit über die abgedroschenen Klischees vom "General Winter" und der deutschen Hybris hinaus und betrachtet die Geschichte in einem viel längeren Zeitraum: der Entwicklung des militärischen Denkens vom Zeitalter Napoleons über die Katastrophe von 1914-18 bis hin zu den hochmechanisierten, manövertaktischen Doktrinen, die sowohl von Deutschland als auch von der Sowjetunion in der Zwischenkriegszeit vertreten wurden. Anhand einer Vielzahl bisher übersehener Archivunterlagen zeigt Manion, dass beide Armeen in den Krieg zogen und einen schnellen, entscheidenden Feldzug erwarteten - eine Rückkehr zum Krieg zwischen Generälen, nicht zwischen Volkswirtschaften. Die frühen Erfolge der Deutschen schienen ihnen Recht zu geben. Doch wie Manion aufzeigt, verbarg die scheinbare Meisterschaft der Wehrmacht in der mobilen Kriegsführung tiefgreifende Mängel in der Entscheidungsfindung, der Befehlsstruktur und der operativen Logik. Die Rote Armee hingegen passte sich - obwohl angeschlagen - schneller an, als ihr Gegner dies erkannte. Das Ergebnis ist eine überzeugende Infragestellung des etablierten Konsenses. Manion argumentiert, dass Barbarossa nicht allein unter der Last der zahlenmäßigen Überlegenheit zusammenbrach: Die deutsche Generalschaft und operative Fehleinschätzungen spielten eine weitaus größere Rolle, als die meisten Berichte vermuten lassen, während sich die Widerstandsfähigkeit und das strategische Lernen der Sowjets schon lange vor Stalingrad als entscheidend erwiesen. Mit seiner analytischen Klarheit, den detaillierten Studien zu den Feldzügen und einer Vielzahl neu veröffentlichter Archivkarten und -abbildungen ist "Why Barbarossa Failed" eine Lektüre für alle, die nicht nur verstehen wollen, wie sich der Feldzug von 1941 entwickelte, sondern auch, warum sein Ausgang den gesamten Verlauf des Krieges bestimmte. Dies ist die Geschichte zweier Armeen, zweier Visionen moderner Kriegsführung - und der Entscheidungspunkte, die das Schicksal der Ostfront besiegelten.
Autor
Manion, Timothy
Titel
Why Barbarossa Failed
Details
Englischer Text, 29 sw- und 16 Farbkarten. 376 Seiten.