Lucy Schwob und Suzanne Malherbe verbrachten den Großteil ihres Lebens gemeinsam und selbst der Zweite Weltkrieg sollte daran nichts ändern. In der Vorkriegszeit verkehrten sie in den Kreisen der berühmtesten Vordenker und Akteure des künstlerisch-surrealen Frankreichs der 1930er Jahre und zählten selbst zu ihnen. Sie wählten die Namen Claude Cahun und Marcel Moore, während sie sowohl in ihrem persönlichen Leben als auch in ihrem künstlerischen Schaffen mit Gender-Identitäten experimentierten. Während des Krieges nutzten sie wieder ihre Geburtsnamen, um bei den Besatzern kein unnötiges Misstrauen zu erwecken; ich bin jedoch davon überzeugt, dass sie an ihren gewählten Namen festgehalten hätten, wären jene historischen Ereignisse nicht eingetreten. Daher bezeichne ich sie im Folgenden überwiegend mit diesen Namen. Sie lebten vermutlich bereits nicht-binär, lange bevor es dafür die entsprechenden Begriffe oder gesellschaftliche Akzeptanz gab; zwar identifizierten sie sich als Frauen (mit den Pronomen sie/ihr) und als Lesben, doch hätten sie in der heutigen Zeit womöglich andere Bezeichnungen für sich gewählt.
Das Spiel mit Gender-Identitäten und die surrealistische Kunst stießen in den Metropolen auf große Begeisterung; auf der eher konservativen Insel Jersey hingegen begegnete man ihnen mit Zurückhaltung und grenzte sie aus. Eben dieses Gefühl der Ausgrenzung nutzten sie, um eine Verbindung zu den dort stationierten deutschen Soldaten aufzubauen Soldaten, von denen viele wohl ihr Zuhause vermissten oder von Zweifeln geplagt wurden. Mit ihren künstlerischen Fertigkeiten schufen sie gemeinsam eine Vielzahl von Flugblättern, Gedichten, Zeichnungen und sogar Installationen, um diese Zweifel bei den Soldaten zu schüren und zu verstärken. Ihre Werke unterzeichneten sie mit dem Namen Der unbekannte Soldat; dies sorgte für Unruhe unter den deutschen Besatzungstruppen und trieb die kommandierenden Offiziere zunehmend in die Paranoia.
Schließlich wurden sie gefasst, verhaftet und zum Tode verurteilt. Doch was sie rettete wie so viele andere in den Geschichten des Widerstands , war die seltsame Macht des Unterschätztwerdens: Sie blieben über einen langen Zeitraum in Haft, da die Offiziere darauf warteten, dass sie den Namen des angeblichen Rädelsführers preisgaben. Einen solchen Mann gab es natürlich gar nicht. Der Krieg endete, bevor das Todesurteil vollstreckt werden konnte; ein Foto zeigt Claude daraufhin, wie sie jenen Gegenstand den sie den dreckigen Adler nannte triumphierend zwischen ihren Zähnen hält.
Gruppe
Vollplastische Figur(en)
Beschaffenheit
unbemalt, unmontiert (Bausatz, Kit)
Größe/Maßstab
Größe 28 mm
Material
Metalllegierung
Epoche
2. Weltkrieg und III. Reich
Nationalität/Ort
Frankreich
Zustand
Ladenneu
Kein Spielzeug! Nicht für Kinder unter 14 Jahren!
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