Die Schlacht um Stalingrad war die blutigste Schlacht des Zweiten Weltkriegs. Schätzungsweise zwei Millionen Menschen - sowohl Soldaten als auch Zivilisten - fielen einem grausamen Ringen zum Opfer, das sich über mehr als fünf Monate hinzog. Aufgrund der strategischen Lage Stalingrads an der Wolga in Südrussland galt: Wer die Stadt kontrollierte, kontrollierte auch den Zugang zu den Ölfeldern des Kaukasus. Ohne dieses Öl war das Scheitern der Deutschen an allen Fronten letztlich vorprogrammiert. Die Schlacht um Stalingrad war daher wohl die bedeutendste Auseinandersetzung des gesamten Krieges. Dennoch vertritt der Autor die Ansicht, dass sowohl Hitler als auch Stalin die eigentlichen Ziele des Feldzugs aus den Augen verloren; die Einnahme Stalingrads wurde stattdessen zum Selbstzweck erhoben. Im ursprünglichen Plan der "Operation Blau" war Stalingrad gar nicht als gesondertes Ziel ausgewiesen. Doch als sich die Verteidiger Stalingrads den Deutschen unerwartet in den Weg stellten, rückte die Stadt ins Zentrum der deutschen Anstrengungen. Hitler und seine Generäle waren in naiver Gewissheit, dass der Sieg im Krieg nach der Einnahme Stalingrads eine ausgemachte Sache sei. Stalin und seine Generäle wiederum schlussfolgerten: Da die Wehrmacht - ungeachtet der erlittenen Verluste - so hartnäckig um die Ruinen der Stadt kämpfte, mussten die Deutschen deren strategische Bedeutung offenbar höher einschätzen als sie selbst; folglich waren sie entschlossen, die Stadt um jeden Preis zu halten. Tatsächlich jedoch war die strategische Bedeutung Stalingrads stark überbewertet. Das Ausmaß der deutschen Operation zur Eroberung des Kaukasus war gewaltig; der Operationsraum erstreckte sich über 1.500 Kilometer - eine Distanz, die in etwa der Strecke zwischen Berlin und Moskau entspricht. Dies erforderte die Erschließung von Marschrouten für Panzer- und Infanteriedivisionen durch nahezu wüstenartige Gebiete, in denen es so gut wie keine Eisenbahnlinien oder befestigten Straßen gab. Die elementaren Bedürfnisse der Truppen - sei es an Treibstoff, Munition, Verpflegung oder gar Wasser - blieben dabei völlig unberücksichtigt. Zugleich sah der unrealistische Plan zur Eroberung des Kaukasus keinerlei Alternativen für den Fall vor, dass die Hauptoperation scheitern sollte - ein Scheitern, das von vornherein unvermeidlich war. Auf sowjetischer Seite schließlich - eingeschüchtert und demoralisiert durch die militärischen Katastrophen bei Kertsch und Charkow, bei denen ganze Armeen in Gefangenschaft geraten waren - ordnete Stalin den Rückzug der Roten Armee an die Wolga an; ein Rückzug, der sich rasch zu einer panischen Flucht entwickelte. Doch dann änderte der sowjetische Führer abrupt seine Meinung und erließ den berühmten Befehl: "Keinen Schritt zurück!" Während Historiker anführen, dass dieser Befehl die sowjetischen Truppen zum Widerstand anspornte und die Disziplin stärkte, führte er tatsächlich zu einem Anstieg der Zahl von Überläufern und Kollaborateuren. Diese Studie über die Schlacht von Stalingrad ist eine äußerst anschauliche Chronik der Kampfhandlungen - aus zwei Perspektiven geschildert und verfasst von einem russischen Historiker, der dabei umfangreiches Material nutzte, das im Westen bislang unveröffentlicht war. Sie beschreibt detailliert die Einsätze aller Teilstreitkräfte: der Panzertruppen, der Artillerie, der Infanterie und der Luftwaffe - sowie, erstmals, den bedeutenden Beitrag der russischen Flussflottille.