Anfang 1943 musste die in Frankreich stationierte Luftwaffe nach der Invasion der freien Zone Frankreichs Ende 1942 das gesamte französische Staatsgebiet besetzen. Eine echte Herausforderung für das lokale Kommando, das vor der unlösbaren Aufgabe stand, mit nur einer geringen Anzahl von Luftfahrzeugen und Flakgeschützen die Quadratur des Kreises zu lösen. Die Lage verschärfte sich mit der Verschlechterung der militärischen Situation der Achsenmächte im Mittelmeerraum, da Frankreich allzu oft als Reservoir für Soldaten und Flugzeuge diente, aus dem man bei Bedarf schöpfte, um Afrika, Griechenland und schließlich Italien notgedrungen zu verstärken. Das Jahr 1943 sah auch immer stärkere Angriffe der amerikanischen USAAF und ihrer gefürchteten viermotorigen Bomber auf den Kontinent. Die Tagjagd wurde so nach und nach zermürbt und verlor regelmäßig Asse, deren Verlust durch die Ankunft junger, unerfahrener und ungeschulter Piloten nicht ausgeglichen werden konnte. Nachts vermehrte das Bomber Command der RAF seine Überflüge und zwang das lokale Kommando, die Nachtjagd auszubauen, die bis dahin noch in den Kinderschuhen gesteckt hatte. Trotz aller Bemühungen konnten nur wenige neue Einheiten aufgestellt werden, um das Offensiv- und Defensivpotenzial der deutschen Luftwaffe im besetzten Frankreich zu stärken. So operierte das 1942 aus verschiedenen Einheiten zusammengestellte KG 6 zunächst nur wenig vom französischen Territorium aus, da es nach Italien oder Dänemark beordert wurde, bevor es gegen England bei Angriffen von sehr geringem strategischem Wert eingesetzt wurde. Selbst die unvermeidliche Annäherung einer alliierten Invasion konnte das Blatt nicht wenden, und die Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 und anschließend in der Provence versetzten der Wehrmacht einen fatalen Schlag. Ende August 1944 hatten fast alle Einheiten der Luftwaffe Frankreich verlassen. Nach ihrem Rückzug nach Deutschland führten sie sporadische Aktionen im französischen Luftraum durch, vor allem zur Unterstützung der Bodentruppen oder rein defensiv. Am 1. Januar startete die Luftwaffe die Operation "Bodenplatte", die jedoch kaum erfolgreich war. Die letzten Flugzeuge der Luftwaffe, die über Frankreich flogen, waren die He 111 des TG 30, die bis zum Schluss nachts die noch in deutscher Hand befindlichen Atlantik-Kessel versorgten und erst am 8. Mai 1945 kapitulierten.
Autor
Roba, Jean-Louis
Titel
La Luftwaffe en France 1939-1945. Band 2: Le temps des épreuves et de défaites
Details
Französischer Text, fast 500 Fotos, 8 Farbprofile, Großformat. 196 Seiten.