Als das englische Kriegsschiff in der Nacht von Südkreta in Richtung Tobruk fuhr, stand Oberstleutnant Charalampos Seiradakis tief in Gedanken versunken an Deck. Was erwartete ihn im Nahen Osten, wohin er geschickt worden war, um beim Wiederaufbau der griechischen Armee im Exil zu helfen und die Alliierten im Kampf gegen die Achsenmächte zu unterstützen? Es war Mai 1943, zwei Jahre nach der erbitterten Schlacht um Kreta, in der er gegen deutsche Fallschirmjäger gekämpft hatte - und nur ein weiteres Kapitel in einem Leben, das vom Krieg geprägt war. Seiradakis hatte im Alter von elf Jahren während des kretischen Aufstands gegen die osmanische Herrschaft zum ersten Mal ein Gewehr in die Hand genommen. Sein jugendlicher Eifer führte ihn in die Balkankriege in Nordgriechenland und dann auf die Schlachtfelder von Lothringen und Gallipoli während des Ersten Weltkriegs. Nun, in den Wüsten Nordafrikas, sah sich der erfahrene Offizier erneut den Gefahren einer Welt im Krieg gegenüber. Charalampos Seiradakis verkörpert den griechischen Soldaten des turbulenten 20. Jahrhunderts: loyal gegenüber der liberalen Vision von Eleftherios Venizelos, geschmiedet in Jahrzehnten des Kampfes und geprägt von den Kriegen, die das moderne Griechenland geprägt haben. Seine Geschichte ist sowohl fesselnd als auch symbolträchtig - eine lebendige Chronik von Mut, Ausdauer und der Entstehung einer Nation.